Alternative Vasektomie

Männer, Frauen und Paare stoßen bei ihrer Recherche zum Thema Verhütung auch auf das Stichwort Sterilisation. Ein großer Vorteil der Sterilisation, egal ob diese bei der Frau oder beim Mann durchgeführt wird, ist, dass man sich zukünftig zum Thema Empfängnisverhütung gar keine Gedanken mehr machen muss. Bei anderen Verhütungsmitteln, bspw. bei der Pille für die Frau, muss man an die kontinuierliche Einnahme denken. Ein Nachteil der Sterilisation ist, dass es sich um einen chirurgischen Eingriff handelt, der, wie jede Operation, auch Risiken mit sich bringen kann. Außerdem müssen sich die Paare bewusst sein, dass die Sterilisation sowohl beim Mann als auch bei der Frau als endgültige Maßnahme zu betrachten ist. Wichtig ist, dass man sich nicht auf die Schnelle und spontan für eine Operation entscheidet. Erst nach Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten und Verhütungsmethoden, der Vorteile und der Nachteile, kann man für sich selbst eine sichere Entscheidung treffen.

Bei Patienten (Paaren), die eine Sterilisation durchführen lassen, ist die Familienplanung bereits abgeschlossen und es wird nach einer zuverlässigen Verhütungsmethode gesucht.

PD Dr. med. Tobias A. Engl auf vasektomie.de

PD Dr. med. Tobias A. Engl: "Die Vasektomie bzw. die Sterilisation des Mannes ist bei technisch korrekter Durchführung durch einen auf den Eingriff spezialisierten Operateur die sicherste Verhütungsmethode. Zudem ist sie auf längere Sicht verglichen mit anderen Verhütungsmitteln (bspw. Pille) sehr kostengünstig."

Ist nach einem Vergleich der verschiedenen Möglichkeiten der Verhütung die Wahl auf die Sterilisation gefallen oder ist die Sterilisation in der engeren Auswahl, so muss nun geklärt werden, wer sich der Sterilisationsoperation unterziehen möchte: Mann oder Frau. Bei vielen Paaren fällt die Entscheidung auf den Mann, da die Sterilisation des Mannes (auch als Vasektomie oder Vasoresektion bezeichnet) risikoärmer und körperschonender ist als die Sterilisationsoperation bei der Frau. Körperschonender ist die Vasektomie im Vergleich zur Sterilisation der Frau u.a. deshalb, weil dieser Eingriff kürzer dauert, komplikationsärmer ist und in örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann. Auch spielen für diese Entscheidung noch andere Faktoren eine Rolle: u.a. Alter, Psyche, Krankheiten. An dieser Stelle ist ein Beratungsgespräch beim Arzt oder bei Beratungsstellen wie Pro Familia hilfreich, um sich entsprechend aufklären zu lassen (bspw. zu Ablauf oder Risiken einer Sterilisation).

Persönliche Entscheidung

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Entscheidung für eine Vasektomie weitreichend ist und auf alle Fälle vom Mann / Paar gut bedacht sein sollte. Man sollte davon ausgehen, dass der Entschluss für eine Vasektomie einen endgültigen Schritt darstellt. Nur mit einem entsprechend hohen Aufwand (bspw. Kosten) kann eine Vasektomie wieder rückgängig gemacht werden. Dieser Eingriff nennt sich Refertilisierung beim Mann oder Vasovasostomie bzw. Tubulo-Vasostomie. Zudem ist nicht zu 100 Prozent sicher, ob nach einer Refertilisierung tatsächlich wieder ein Kind gezeugt werden kann. Somit steht fest: Die Entscheidung für eine Vasektomie bzw. Sterilisation beim Mann sollte nicht aus einer Laune heraus oder in einer bestimmten Situation gefällt werden.

Der Mann bzw. das Paar sollte sich über diverse Punkte im Klaren sein, u.a.:

  • Der Mann kann nach der Vasektomie keine Kinder mehr zeugen. Ist man sich darüber im Klaren?
  • Wurde die Entscheidung für die Vasektomie gemeinsam mit der Partnerin getroffen?
  • Sollten sich die Lebensumstände einmal ändern (bspw. durch eine neue Partnerin), könnte zu einem späteren Zeitpunkt ein erneuter Kinderwunsch bestehen. Führt man ein eher wechselhaftes Leben bzgl. Beziehungen?
  • Ist der Mann von seiner Psyche her für eine Vasektomie geeignet? Leidet sein Selbstwertgefühl, wenn er sich bewusst darüber ist, zeugungsunfähig zu sein?
  • Ist der Mann für diesen Eingriff im passenden Alter und sich der Entscheidung bewusst?
  • Wurden alle Für und Wider der Sterilisation des Mannes gegeneinander abgewogen?

Sterilisation bei Männern

Für wen ist eine Vasektomie interessant? Allgemein kann man die Aussage treffen, dass es meist verheiratete Männer mit Kind oder Kindern sind, die eine Vasektomie bzw. Sterilisation durchführen lassen. Im Schnitt sind diese Männer bereits 10 Jahre verheiratet. Der typische Vasektomie – Interessent ist mindestens 30 Jahre alt und lebt in einer Familie mit Frau und Kind / Kindern. Die Beziehung hält bereits seit einigen Jahren. Er ist sich (mit seiner Partnerin) zudem sicher, keine Kinder mehr haben zu wollen.

Die Vasektomie bzw. Sterilisation des Mannes ist unumstritten eine sichere Verhütungsalternative. Sie kann dann in Betracht gezogen werden, wenn man definitiv keine weiteren Kinder mehr bekommen möchte bzw. der Kinderwunsch / die Familienplanung abgeschlossen ist. Auch können bspw. gesundheitliche Gründe der Frau oder Altersgründe dazu führen, dass eine Schwangerschaft nicht gewollt ist. Für Männer oder Paare, welche sich für eine Vasektomie interessieren, kommen keine anderen Verhütungsmethoden in Frage. Oft ist auch die Aussage zu hören, dass die Pille der Frau aufgrund ihrer Nebenwirkungen abgelehnt wird oder diese nicht vertragen wird.

In wenigen Fällen gibt es auch medizinische Gründe, die für die Durchführung einer Vasektomie sprechen. Dazu zählen u.a. einige genetische Erkrankungen. Ein kompetenter Urologe kann hierzu entsprechend ausführlich beraten und individuell auf die jeweilige Situation des Patienten eingehen.

Gegen eine Vasektomie

Wann ist von einer Vasektomie abzuraten? Seriöse Fachärzte raten unter bestimmten Bedingungen auch von einer Vasektomie ab. Sollte bspw. eine Unsicherheit darüber erkennbar sein, ob zu einem späteren Zeitpunkt eventuell doch nochmal ein Kind gewünscht ist, dann ist die Vasektomie nicht die richtige Art der Verhütung. Auch sollte der Mann in einem entsprechenden Alter sein.

Wichtig ist, dass die Entscheidung für die Vasektomie aus Überzeugung kommt, es darf sich nicht um eine Kompromisslösung handeln. Zudem sollte es auch keine Druckentscheidung sein, d.h. nur ein Ehepartner hat den Wunsch und setzt den anderen diesbezüglich unter Druck. Wenn das derzeitige Verhältnis des Paares belastet ist, sollte ebenfalls mit der Durchführung einer Vasektomie abgewartet werden. Egal ob Männer, welche schon mehrmals geheiratet haben, geschieden sind oder nicht verheiratet sind, eine Vasektomie als „endgültige“ Verhütungsform sollte gut durchdacht sein. Möglicherweise besteht bei einer zukünftigen Partnerin Kinderwunsch.

Wünscht sich ein Paar die Vasektomie als Verhütungsform und möchte sich trotzdem die Möglichkeit offen halten, nach dem Eingriff schwanger zu werden bzw. ein Kind zu bekommen, so können die Spermien des Mannes auch eingefroren werden. Hierfür gibt es spezielle Labore, in denen die Spermien gelagert werden. Zum späteren Zeitpunkt können diese dann zur Eizellenbefruchtung verwendet werden.

Außerdem sollte bei einer bestehenden Schwangerschaft der Partnerin mit der Vasektomie so lange gewartet werden, bis das Kind geboren wurde. Falls dem Kind bei der Geburt etwas zustoßen sollte, wäre somit die Möglichkeit einer erneuten Schwangerschaft weiterhin gegeben.

Autor: Dr. Marc Armbruster
Facharzt für Urologie

Schwerpunkt: Vasektomie