OP Vorbereitungen

Vorbereitung zur Operation bzw. unmittelbar vor der Vasektomie: Wie bei allen Operationen, so muss auch vor einer Vasektomie bzw. Sterilisation des Mannes die Behaarung um die zu operierende Stelle entfernt bzw. beseitigt werden. Sinnvoll ist im Falle der Vasektomie, die gesamte Schambehaarung zu entfernen. Entscheidet sich der Patient für die Durchführung der Vasektomie in einem Krankenhaus / in einer Klinik, so wird die Rasur normalerweise vor Ort von einem Pfleger übernommen. Findet der Eingriff ambulant statt, so tätigt man die Rasur selbst, bestenfalls am Tag vor dem Vasektomie-Eingriff. Patienten, welche die Haarentfernung mit Hilfe einer Enthaarungscreme präferieren, können auch dies tun. Zur ambulanten Vasektomie ist Nüchternheit nicht vorgeschrieben wie bei einer stationären Operation. Dennoch empfehlen einige Urologen ihren Patienten, dass sie zur Operation nüchtern erscheinen sollen. Ausnahme bildet die Sterilisation des Mannes unter Vollnarkose / Kurznarkose. In diesem Fall sind zusätzliche Dinge zu beachten. So sollte bspw. 12 Stunden vorher nicht gegessen, getrunken oder geraucht werden.

Dr. med. Jochen Schiffers auf vasektomie.de

Dr. med. Jochen Schiffers: "Unabdingbar vor der Durchführung einer Vasektomie ist ein ausführliches Beratungsgespräch bei einem Urologen. Auch wenn der Eingriff sehr risikoarm ist, informiert ein kompetenter Facharzt in diesem Gespräch auch über die möglicherweise auftretenden Komplikationen der Vasektomie."

Vor dem Vasektomie-Eingriff ist eine gründliche Reinigung des Genitalbereiches selbstverständlich. Eine Desinfizierung findet seitens des OP-Teams statt, bevor die Betäubung in der Leistengegend (bzw. am Hodensack) durch eine Spritze gesetzt wird. Nachdem die Wirkung der Betäubung einsetzt, wird mit dem eigentlichen Eingriff begonnen.

Abgesehen von blutverdünnenden Medikamenten oder bestimmten Diabetesmedikamenten können alle Medikamente auch weiterhin eingenommen werden. Wird durch den Arzt ein Absetzen oder Ersetzen von Medikamenten empfohlen, so sollte dies nur in Rücksprache mit dem verordnenden Arzt geschehen.

Chirurgischer Eingriff

Im Allgemeinen muss hier zu allererst eine Unterscheidung der in Deutschland gängigen Methoden vorgenommen werden. Zum einfacheren Verständnis sollen an dieser Stelle die drei wichtigsten Vasektomie-Methoden vorgestellt werden:

  • Klassische Vasektomie
  • Non Scalpel Vasektomie / No Scalpel Vasektomie
  • No-Needle-No-Scalpel Vasektomie

Hier kann angemerkt werden, dass die klassische Methode die älteste und am weitesten verbreitetste Vasektomie-Methode ist. Diese Technik führen fast alle Urologen durch, welche die Vasektomie anbieten. Sie gilt seit Jahrzehnten als Standard-Methode. Die neuere Non-Scalpel Vasektomie (oder auch Non Skalpell Vasektomie) verbreitet sich immer mehr. Dagegen sind z.B. Urologen, welche die ebenfalls neue No-Needle-No-Scalpel Methode durchführen, aktuell noch sehr selten zu finden ... diese Methode führen deutschlandweit Urologen nur vereinzelt durch. Alle drei Methoden haben das gemeinsame Ziel, die Samenleiter zu durchtrennen. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen in der Art und Weise des Zugangs zu den Samenleitern und in der Art der Betäubung.

Klassische Vasektomie: Die lokale Betäubung wird mit Hilfe einer Spritze gesetzt (ähnlich wie bspw. beim Zahnarzt). Nun wird die Haut mit Hilfe eines Skalpells nach Wirkung der lokalen Betäubung eröffnet. Die Samenleiter sind dann sichtbar.

Non-Skalpell Vasektomie / No-Scalpel Vasektomie: Auch hier wird mit einer Spritze die lokale Betäubung gesetzt. Mit einem Spezialinstrument wird nach der lokalen Betäubung in die Haut ein „Loch gepiekst“. An diesem Loch wird die Haut dann auseinandergedehnt, so dass die Samenleiter sichtbar und zu fassen sind.

No-Needle-No-Scalpel Vasektomie: Im Unterschied zur Klassischen Vasektomie und zur Non-Skalpell Vasektomie findet hier die lokale Betäubung nicht mit einer Spritze / Nadel statt, sondern es wird ein Spezialgerät benutzt. Mit Luftdruck wird eine Injektion gesetzt, die dann zur lokalen Betäubung führt. Es handelt sich somit um eine nadellose Betäubung. Anschließend wird wie bei der Non-Skalpell Vasektomie mit einem Spezialinstrument die Haut eröffnet, so dass die Samenleiter zum Vorschein kommen.

Vergleicht man die Art und Weisen der Hauteröffnung, so finden sich zwei verschiedene Meinungen unter Fachkreisen. Die einen sagen, dass die klassische Vasektomie mit Skalpell die „sauberere“ Lösung ist, da ein feiner Schnitt getätigt wird. Verfechter der Non-Skalpell Vasektomie hingegen finden die Variante ohne Skalpell vorteilhafter, da bspw. die OP noch kürzer dauert und die Haut von alleine wieder zuwächst, ohne dass man Fäden verwenden muss. Im Ergebnis kann wohl festgehalten werden, dass das Ziel der Vasektomie bei allen drei Methoden erreicht werden kann. Am Ende entscheidet der Patient, welche Methode ihm mehr liegt.

Bei allen drei Methoden ist nach der Hauteröffnung der Samenleiter (bzw. die beiden Samenleiter) sichtbar und kann erfasst werden. Anschließend wird der Samenleiter durchtrennt und es wird ein etwa 1 bis 3 cm langes Samenleiterstück entnommen (unterbrochener Transportweg der Spermien). Dann werden die Schnittstellen verödet und die Enden des durchtrennten Samenleiters unterbunden. Die jeweiligen Enden werden dann wieder sorgfältig in unterschiedliche Gewebsschichten des Hodensackes „versenkt“. Identisch wird mit dem zweiten Samenleiter vorgegangen. Bei der klassischen Vasektomie wird zum Abschluss des Eingriffes die geöffnete Haut mit nicht auflösbarem oder resorbierbarem Faden verschlossen. Sowohl bei der Non Skalpell Vasektomie als auch bei der No-Needle-No-Scalpel Vasektomie findet ein automatisches Zusammenwachsen der Haut nach dem Eingriff ohne Hinzunahme von Fadenmaterial statt. Das Anlegen eines sterilen Verbandes schließt die OP ab.

Dauer der Operationsmethoden:

  • Klassische Vasektomie: Pro Seite etwa 15 Minuten
  • Non-Skalpell Vasektomie: Insgesamt etwa 15 bis 20 Minuten
  • No-Needle-No-Skalpell Vasektomie: etwa 15 bis 20 Minuten

Betäubung und Narkose

Die Sterilisation des Mannes findet in den allermeisten Fällen unter einer örtlichen Betäubung statt. Dies ist sozusagen eine lokale Betäubung nur am Hodensack bzw. der Leistengegend (am Ort des Geschehens). Es gibt keine Einschränkungen oder Regeln, die der Patient vor der OP beachten muss. So sind Essen oder Trinken weiterhin erlaubt. Lediglich der Unterleib sollte vom Patienten vorbereitend und entsprechend sorgfältig rasiert werden. Als OP-einleitende Maßnahme wird großflächig desinfiziert, bevor der operierende Facharzt dann die Betäubungsspritzen setzt. Nach Eintreten der Betäubung beginnt die eigentliche Operation. Meist nacheinander wird jeweils an beiden Hodensäcken der Eingriff vorgenommen. Einige Urologen arbeiten auch nur mit einer Hauteröffnung, welche sich dann mittig zu den beiden Samenleitern befindet.

In seltenen Fällen kann der Eingriff auch unter Vollnarkose / Kurznarkose stattfinden, bspw. bei Angstpatienten. Hier sollte man einen Urologen finden, welcher mit einem ambulant tätigen Anästhesisten zusammenarbeitet. Nüchternheit am OP-Tag wird in diesem Fall vorgeschrieben.

Komplikationen und Risiken

Generell kann gesagt werden, dass die Vasektomie ein risikoarmer und komplikationsarmer Eingriff ist. Dennoch gibt es wie bei jedem chirurgischen Eingriff auch bei der Vasektomie entsprechende Risiken bzw. Komplikationen. Diese treten zwar sehr selten auf, sollten dennoch auch im Aufklärungsgespräch zwischen Urologe und Patient entsprechend genannt werden. Zu erwähnen sind bspw. Blutergüsse, Schwellungen des Hodensackes, Wundinfektionen oder Verwachsungen. Treten diese nach der Vasektomie auf, sind Hochlagerung und Kühlung anzuraten, um Minderung zu verschaffen.

Bei einer sogenannten lokalen Infektion kommt es an dieser Stelle zu Rötungen, welche mit Schmerzen einhergehen. Hier kann bspw. durch den Facharzt für Urologie eine antibiotische Medikation helfen.

Selten sind bspw. Nachblutungen. Es kann bspw. passieren, dass beim Eingriff Blutgefäße verletzt werden. In Folge kommt es zu einer Nachblutung, diese kann zur Bildung eines Hämatoms und zu Druckschmerzen führen. Kommt es zu einer Blutung, sollte sich der Patient sofort an den entsprechenden Urologen wenden. So kann gezielt und medizinisch reagiert werden, bspw. mit einer medikamentösen Behandlung. Auch das sogenannte Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom kann nach einer Vasektomie auftreten (chronische Schmerzen im OP-Bereich).

Um die Risiken und Komplikationen auf ein Minimum zu reduzieren, ist bereits im Vorfeld die Wahl eines erfahrenen Facharztes empfehlenswert.

Auf jeden Fall gilt: Treten mögliche Anzeichen einer Komplikation nach der Vasektomie auf, sollte sich der Patient ohne abzuwarten und zur Sicherheit an den Urologen wenden. Bspw. Fieber, Rötungen, Verfärbungen, Blutungen oder Beschwerden beim Wasserlassen können solche Anzeichen sein.

Die Erfolgsrate einer Vasektomie ist sehr hoch. Nur in etwa 0,4 Prozent der durchgeführten Vasektomien kommt es zu einer Wiedervereinigung der Samenleiter (sehr seltener Vorgang). Hier wurde das Ziel der Vasektomie nicht erreicht und trotz OP können sich weiterhin Spermien in der Samenflüssigkeit befinden. Um auch diesen Fall im Vorfeld auf ein Minimum zu reduzieren, wird von vielen Urologen zum einen ein 1 bis 3 cm langes Samenleiterstück entnommen und zum anderen werden die Samenleiterenden in verschiedene Gewebsschichten gelagert.

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass Geschlechtskrankheiten durch eine Vasektomie nicht verhindert werden können. Die Vasektomie dient nur der Schwangerschaftsverhütung. So ist es weiterhin möglich, sich mit HIV oder Herpes Genitalis anzustecken, wenn gängige Verhütungsmethoden wie bspw. ein Kondom nicht benutzt werden. Ausschließlich ein Kondom kann vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen.

Man ist nicht sofort nach dem Eingriff unfruchtbar, da die Samenzellen auf ihrer langen Wanderung durch die Samenleiter sich bereits hinter der Unterbrechung im Bereich der Vorsteherdrüse und der Samenblase befinden können. Um die Unfruchtbarkeit sicherzustellen, muss man nach etwa zehn Ergüssen oder vier Wochen die Samenflüssigkeit untersuchen lassen, um festzustellen, ob sich noch Samenzellen / fruchtbare Spermien darin befinden. Diese Untersuchung wird nach etwa acht Wochen wiederholt. Somit ist so lange alternativ zu verhüten, bis vom Urologen die Zeugungsunfähigkeit bestätigt wird. Andernfalls besteht das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.

Vasektomie und Prostatakrebs: Immer wieder ist zu hören oder zu lesen, dass es einen Zusammenhang zwischen einer durchgeführten Vasektomie und einem erhöhten Risiko zur Erkrankung an Prostatakrebs gibt. Basis dieser Annahme war eine in 2014 veröffentlichten Studie zu diesem Thema, in welcher von der „Harvard School of Public Health“ in Boston über einen Zeitraum von 24 Jahren knapp 50.000 Amerikaner untersucht wurden. Von diesen 50.000 Männern erkrankten 6.023 am Prostatakarzinom. Ein Viertel der Teilnehmer dieser Studie hat sich sterilisieren lassen.

Die Resultate der Studie zeigten, dass aggressive Tumore bei sterilisierten Männern leicht häufiger in Erscheinung treten, jedoch das Risiko für weniger aggressive Tumore statistisch gesehen fast unbeeinflusst bleibt. Das absolute Risiko für jeden einzelnen Mann, an Prostatakrebs zu erkranken, ist daher eher niedrig anzusetzen.

Unter Fachärzten und Experten wurde diese Studie kritisch diskutiert, sie war umstritten. So ist bspw. fraglich, ob alle wichtigen Faktoren beurteilt und einbezogen wurden. Zudem konnten die Autoren der Studie nie plausibel darlegen, welche Machanismen es sind, die nach der Sterilisationsoperation dazu führen, dass sich ein Prostatakrebs entwickelt.

Vor ein paar Monaten wurde das Ergebnis einer systematischen Übersichtsarbeit und zweier sogenannten Metaanalysen veröffentlicht (Stand März 2016). Verwendet wurden Daten von knapp 1,5 Millionen Männern, systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen erfüllen höchste wissenschaftliche Qualitätskriterien. Darin kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass es keinen Anhalt für ein höheres Prostatakrebsrisiko nach der Sterilisation beim Mann gibt. Bei der Vasektomie handelt es sich somit weiterhin um einen sicheren Eingriff ohne erhöhtes Prostatakrebsrisiko.

Bei bestehender Unsicherheit sollte das Thema trotzdem unbedingt im Beratungsgespräch thematisiert werden. Der Urologe wird für zusätzliche Aufklärung sorgen.